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St. Georg: Über Andis privates Risotto-Restaurant Zuhause

Koch, Gastgeber, Musiker, Weltenbummler – das alles ist Andi immer mal wieder abwechselnd und leidenschaftlich gerne. Beim Kochen hat er sich auf das Thema Risotto spezialisiert. Seit Januar eröffnet er in seinem Wohnzimmer regelmäßig sein eigenes privates Risotto-Restaurant für die CHEF.ONE Community. Von seinen „Risotto bei Otto“-Dinnern sind wir bereits große Fans. Deshalb möchten wir euch Andi einmal ganz persönlich im Interview vorstellen.

Was schätzt du am meisten daran, dein Zuhause in ein privates Risotto-Restaurant zu verwandeln?

Was mich in den Restaurant-Jobs sehr ärgerte, war das Wegschmeißen der vorbereiteten Speisen, die nicht bestellt wurden. Und mit meiner Spezialisierung auf Risotto wäre ein Restaurant doppelt schwierig: Ein Gericht, dass 25 Minuten Zeit braucht und nur für einen Moment frisch und genießbar ist, kann nicht auf Gäste warten. Die Gäste sollen kommen und dann ist das Risotto fertig. Dafür ist die Idee für CHEF.ONE das perfekte Forum. Außerdem bin ich sehr gerne Gastgeber und ganz gespannt, wer so den Weg in meine Wohnung findet.

Andi eröffnet sein Risotto-Restaurant
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Am Esstisch in Andi's Risotto-Restaurant
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Wie ist deine Leidenschaft für’s Kochen entstanden?

Meine Eltern haben mich als Kind einmal die Woche experimentieren lassen: Ich durfte jeden Samstag einkaufen und kochen was ich wollte, weil ich oft nicht mit dem einverstanden war, was auf den Tisch kam (damals war meine Mutter auf einem Rohkost-Trip – nicht ideal für einen 12-Jährigen). Es hat der Familie meistens geschmeckt, was ich machte und dann habe ich bald auch für Freunde gekocht. Ich habe gemerkt, Gästen einen Teller mit gutem Essen hinzustellen, ist eine der schönsten Gesten, die es gibt. Während des Studiums habe ich dann in italienischen Restaurants gekocht und bei Catering Services. Weil aber immer klar war, dass die Musik im Mittelpunkt meines Lebens steht, habe ich das Kochen nie professionell gelernt, aber immer intensiv weiterverfolgt. Interessanterweise gibt es viele Parallelen zwischen dem Komponieren, Aufnehmen und Abmischen von Musik und dem Kochen. Es geht bei beidem um Timing, Schneiden, Auswahl und Harmonie.

Andi kocht ein 5-Gänge-Menü für sein privates Risotto-Restaurant
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2 der 5 Gänge seines Risotto-Restaurants sind Risotti-Variationen
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Kannst du kurz erzählen, warum du dich für das Thema Risotto so sehr begeisterst?

Ich glaube, der Risotto ist das unterschätzteste Gericht der italienischen Küche. Pizza/Pasta kennt jeder, aber einen guten Risotto haben viele noch nicht gegessen. Und es funktioniert wirklich am besten im Kreis von Freunden oder der Familie: im Restaurant kriegt man fast nie guten Risotto, denn er muss “live” gekocht werden. Seit über 10 Jahren experimentiere ich schon mit Risotto, und es ist faszinierend, was für verschiedene Zutaten man “durchs Risotto” schicken kann. Es ist eine unendliche Kombination von Brühe, Wein, Gemüse/Fisch/Fleisch und Käse möglich, die gerade dann interessant wird, wenn man auch mal ganz andere Brühen ausprobiert, wie z.B. einen japanischen Dashi oder den Wein durch ein belgisches Bier ersetzt.

Andi serviert die Gänge in seinem privaten Risotto-Restaurant
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Was ist dein Lieblings-Risotto?

Aktuell finde ich das tiefrote Risotto mit Rote Bete, Rotwein und Boudin Noir sehr gut. Aber auch nur, weil gerade Winter ist.

Neben deinem eigens importiertem Risotto hast du bei deinen Menüs auch immer die passende Weinauswahl dabei. Wonach wählst du diese aus?

Ich probiere oft neue Weine und dann fällt mir ein, zu welchem Risotto oder welcher Vorspeise sie passen würden. Ich mache mir dazu Notizen, habe aber kein festes System dafür. Ich finde es oft schwierig, über Weingeschmack zu sprechen, das wirkt oft so floskelhaft. Aber wenn man einen fruchtigen Falanghina Weißwein zu einem Kürbisrisotto mit Zitronenschale serviert, ist alles klar.

Ein Toast auf den tollen Abend in Andi's Risotto-Restaurant
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Du bist ja nebenbei noch Musiker und hast ein eigenes Plattenlabel. Wie bringst du das mit dem Kochen unter einen Hut?

Ich bin elektronischer Musiker. Das heißt, ich komponiere, spiele Konzerte, lege Platten auf, unterrichte an der Kunsthochschule oder bringe Musik von anderen auf meinem Label “Pingipung” raus. Fürs Kochen hat der Beruf zwei Vorteile: Ich habe oft zwischen zwei Projekten einige Tage am Stück frei und kann mich voll aufs Kochen konzentrieren (dann plane ich mein privates Risotto-Restaurant über CHEF.ONE). Außerdem reise ich ziemlich viel und bringe mittlerweile immer Zutaten und Ideen mit nach Hamburg, die sich meistens im Risotto bewähren müssen.

Neben seinem privaten Risotto-Restaurant ist die Musik Andi's Leidenschaft, sein Platten-Label

Zudem hast du sogar ein eigens gefertigtes Instrument. Was genau verbirgt sich dahinter?

Ich trete mit einem Cello auf, dessen Bogen ich mit Sensoren erweitert habe. So kann ich elektronische Musik mit dem Cello machen, denn die Bewegungen des Bogens senden Daten an den Rechner, in dem der Celloklang verändert wird. Es ist mein eigenes Instrument, das ich “Fello” nenne (www.andiotto.com/fello), ich habe es 2008 am STEIM Studio in Amsterdam entwickelt und spiele das Cello gar nicht mehr ohne dieses elektronische System.

Neben seinem privaten Risotto-Restaurant ist die Musik Andi's Leidenschaft

 

Wir freuen uns definitiv auf viele weitere Dinner bei Andi, in denen er noch viel mehr Geschichten über sich, seine Musik, seine Reisen und Kompositionen erzählen kann. Sein nächstes kleines Risotto-Restaurant in seiner gemütlichen Altbau-Wohnung in St. Georg hat er auch schon geplant. Hier erfährst du alles über Andi’s nächstes Dinner-Menü und wann es stattfindet.