Ein UBER, jede Menge pakistanisches Essen und die Geburt der Social Dining-Plattform CHEF.ONE

Ein UBER, jede Menge pakistanisches Essen und die Geburt der Social Dining-Plattform CHEF.ONE

Es ist kalt. Es regnet. Und du willst nur noch ganz schnell heim und ins Bett. Genau so ging es mir als ich vor einiger Zeit aus dem Uppereast-Club in Hamburg heraus stolperte. Es war 2 Uhr morgens und natürlich hatte ich auf Grund eines genauso überflüssigen, wie auch überteuerten letzten Getränks nicht mehr genug Bargeld für ein Taxi. Der Klassiker eben. Also bestellte ich mir schnell ein UBER und bereits acht Minuten später hielt ein kleiner, grauer Wagen vor mir. Als ich einstieg fühlte ich mich sonderbarer Weise schon angekommen. Und das natürlich nicht, weil der Wagen eine Beam-Funktion hatte. Vielmehr war es die Fahrerin selbst, die so eine warme und herzliche Ausstrahlung hatte. Wir fingen an zu plaudern und sie erzählte mir, dass sie Tahira hieße und eigentlich aus Pakistan komme.

Irgendwie kamen wir auch auf pakistanisches Essen zu sprechen und da erwähnte Tahira, dass sie es liebe all ihre Freunde und Bekannte bei sich daheim zu bekochen. Sofort war mir klar: Ich musste diese unfassbar nette, charismatische Frau von meiner Social Dining-Idee überzeugen, welche mir schon seit einiger Zeit im Kopf herumschwirrte. Also fragte ich Tahira, ob sie sich auch vorstellen könnte fremde Menschen in heimischer Atmosphäre zu bekochen. Natürlich gegen eine entsprechende Entlohnung. Erst hatte sie Einwände: „Ich nehme kein Geld von Fremden, die hungrig sind.“ Doch zum Glück konnte ich Tahira von einem Social Dining überzeugen und so planten wir kommenden Samstag ein gemeinsames Dinner.

Als dann am Samstag meine eingeladenen Freunde zu mir kamen, hatte ich schon etwas Bammel. Ich hatte ihnen nämlich nur angekündigt, dass wir ein indisches Dinner haben werden, aber nicht, dass wir es in einer privaten Wohnung und von einer fremden Person bekommen würden. Als ich dann mit der Wahrheit herausrückte, waren die Reaktionen meiner Freunde auf meinen Social Dining-Plan ganz unterschiedlich. Von übertriebener Angst – womöglich vergiftet die unser Essen und raubt uns dann aus –, bis hin zu echter Begeisterung. Letztendlich hatte ich dann aber alle überzeugt und wir machten uns zu unserem ersten Social Dining bei Tahira auf den Weg.

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Tahira begrüßte uns herzlich und ihre warme Ausstrahlung begeisterte sofort alle! Den von uns mitgebrachten Wein lehnte sie zwar ab, da in ihrem Haus kein Alkohol konsumiert werden soll, aber die Stimmung war trotzdem von Anfang an locker und freundlich. Und da saßen wir jetzt in einer uns unbekannten Küche, die sich gar nicht unbekannt anfühlte und unfassbar verführerische Gerüche herrlichen Essens stiegen uns in die Nase.

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Als Vorspeise servierte uns die herzliche Gastgeberin ein Gericht, dass Loki heißt und aus Lammfleisch und frischen, selbstgemachten Chapati-Brot besteht. Wir saßen zusammen, aßen und fingen an uns zu unterhalten. Das Besondere war, dass wir nicht nur in einem fremden Haus von einer fremden Person bekocht wurden – wir tauchten auch in eine neue Kultur ein. Tahira ist 1951 in Lahore in Pakistan geboren. Sie ist verwitwet und hat zwei Söhne, außerdem spricht sie English, Urdu, Punjabi, Hindi, Persisch und etwas Arabisch. In den 70ern war Tahira Lehrerin und hat sogar einen Doktortitel. Außer für Uber zu fahren hat sie bereits drei Bücher über Religion und Astrologie veröffentlicht und sie hat ihren eigenen Youtube-Channel. Denn singen kann Tahira auch noch! Und es geht noch weiter: Sie arbeitet sogar in Teilzeit als Übersetzerin für die Polizei! Wir waren alle völlig platt von unserer Social Dining-Gastgeberin!

 

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Doch dafür blieb uns kaum Zeit, denn gleich wurde der nächste Gang dieses köstlichen Menüs, ein Gram Daal Eintopf, mit Reis aufgetragen. Wir waren komplett beeindruckt von Tahiras Kochkünsten und ihrer Lebensgeschichte. Wir kamen während des Social Dining noch nicht einmal auf die Idee unsere Handys rauszuholen und zu schauen, ob wir Nachrichten etc. bekommen haben – schon fast ungewöhnlich für unsere Generation. Im Gegensatz zu uns, war unsere begnadete Köchin ständig mit ihrem Smartphone beschäftigt. Wir mussten so über ihre latente Handysucht lachen: Wir, die jüngere Generation hatte ihr Handy in der Tasche, aber sie als ein älteres Semester, war die ganze Zeit am Texten! Überhaupt war die Stimmung ungezwungen und alle hatten Spaß, waren interessiert und erzählten. Es war so schön von Tahira umsorgt zu werden und es fühlte sich gar nicht an wie in einem Restaurant. Es war eher das Gefühl, man säße bei seiner Mutter oder Oma zu Hause und lasse es sich gut gehen. Richtig heimisch also. Obwohl wir alle schon richtig satt waren, servierte uns Tahira noch ein Dessert. Raus malai ist eine traditionelle Süßspeise, die eigentlich so aussieht und schmeckt wie Käsekuchen – nur ohne Teig. Da lohnt es sich noch ein wenig Platz im Magen zu lassen!

 

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Und genau dieser unvergessliche und schöne Abend, gab mir dann den letzten Kick die Social Dining-Plattform CHEF.ONE zu gründen und damit auch anderen Menschen zu einem so tollen Erlebnis zu verhelfen. Tahira ist übrigens noch immer Koch bei CHEF.ONE. Es lohnt sich also sich schnell anzumelden und dann bei Tahira original pakistanische Köstlichkeiten zu genießen!

 

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